Alte Feuerwache Loschwitz

Kunstvolle Besetzung könnte man das nennen, was im Frühjahr 1991 im Dresdner Ortsteil Loschwitz geschah. Dort fanden sich auf Initiative von Gudrun Oltmanns mehrere KünstlerInnen und AbsolventInnen der Kunsthochschule zusammen, die das Gebäude der ehemaligen Feuerwehr besetzten und das Ziel verfolgten, verschiedene Kunstformen und Kulturprojekte zu verwirklichen. Daraus ging noch im selben Jahr der Verein hervor und bereits 1992 wurden die ersten Veranstaltungen durchgeführt.

Bis heute hat sich die Alte Feuerwache zu einer beliebten Anlaufstelle für professionelle und Laienkünstler, Kinder und Stadtteilbewohner entwickelt. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen vor allem die Förderung von jungen Künstlern sowie die Förderung kultureller Betätigung und Bildung generell. Zahlreiche Kursangebote in den verschiedensten künstlerischen Sparten, größtenteils angeleitet von freien MitarbeiterInnen – welche auch zur Studienvorbereitung genutzt werden können. Regelmäßige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und Performances in der Galerie sowie Projekte, beispielsweise der „Skulpturenwald“ auf dem Burgberg Loschwitz, sind dabei nur ein Ausschnitt aus der breiten Angebotspalette. Gästezimmer und Atelier des Hauses geben auswärtigen Künstlerinnen und Künstlern darüber hinaus Raum für Arbeits- und Studienaufenthalte.

Im Laufe der langjährigen soziokulturellen Arbeit schaffte der Verein immer wieder eine Verbindungslinie zwischen professioneller Kunst und bürgernaher Kultur. Jährliche Veranstaltungshöhepunkte sind das „Frühlingsfest“ und das „Elbhangfest“, an welchem sich der Verein in Zusammenarbeit mit dem „Elbhangfest e.V.“ beteiligt.

Die Alte Feuerwache Loschwitz ist ein historisches Feuerwehrhaus und wird heute als soziokulturelles Zentrum genutzt. Das Gebäude befindet sich nahe der Elbe im Dresdner Stadtteil Loschwitz.

Historische Aufnahmen aus dem Jahr 1993

Gudrun Oltmanns

(1959 – 2001)

Der Mitbegründerin unseres Vereins und viel zu früh an einer Krebserkrankung verstorbenen Künstlerin, Gudrun Oltmanns , haben wir einen umfangreichen Eintrag bei Wikipedia gewidmet.

 

Holger Gössel

(1958 – 2008)

Unser langjähriges Vereinsmitglied und ehemaliger Geschäftsführer Holger Gösselverschied im Juli 2008 nach kurzer, schwerer Krankheit plötzlich und unerwartet.

 

Alice Schmitz

(1934 – 2010)

Am 23. März 2010 ist Dresdens treueste, eigenwilligste und auffälligste Kulturgängerin gestorben: Alice Schmitz. Von ihrer Erscheinung her mochte Mancher sie für eine Obdachlose oder eine Zigeunerin halten. 20 Jahre lang hat sie sich – trotz Armut, Alter und Gehbehinderung – täglich aufgemacht, um Theater- und Tanzvorstellungen, Konzerte und Filme, Vorträge und Ausstellungen zu besuchen – und um unter Menschen zu kommen.

Jeder, der einigermaßen regelmäßig im Dresdner Kulturleben unterwegs war, kannte Alice zumindest vom Sehen. Aber als sie starb und begraben wurde, wusste niemand davon und war keine Gelegenheit für ihre vielen Bekannten, um Abschied zu nehmen.

Alice war auch in unserem Verein ein gern und oft gesehener Gast. Kaum eine Vernissage versäumte sie.

 

Geschichte

Das erste Spritzenhaus mit Leitergerüst in Loschwitz überhaupt wurde 1775 auf Grund einer kurfürstlichen Verordnung am Eingang zur Grundstraße errichtet. Es bestand aus einem kleinen Häuschen für den Löschkarren und die Geräte.

Ein neues Spritzenhaus wurde 1859 neben der Hentschelmühle gebaut. Heute befindet sich das Ludwig-Richter-Denkmal dort. In den Remisen standen zwei Handdruckspritzen und ein Schlauchwagen. 1883 wurde das erste Spritzenhaus abgerissen und an gleicher Stelle – am ehemaligen Ratskeller – ein Neubau errichtet. Im Jahre 1891 wurde ein Steigerturm zum Trocknen der Schläuche an der Turnhalle auf der Pillnitzer Landstr. 16 angebracht.

Durch den Bau des Blauen Wunders wurde der Loschwitzer Dorfkern völlig umgestaltet. In der Folge entstanden dann auch die jetzigen Gründerzeithäuser am Körnerplatz. Das Wachstum des Dorfes und das Fortschreiten der Technik machte schließlich eine größere, moderne Feuerwache notwendig; und so wurde kurz nach der Errichtung der Schiller-Schule vom selben Architekten Prof. Schramm 1908 die heutige Alte Feuerwache Loschwitz gebaut. Sie bestand aus der Fahrzeughalle, Geräteräumen, dem Steiger- und Schlauchturm sowie Wohnungen.

Loschwitz wurde zwar 1921 in die Stadt Dresden eingegliedert, die Freiwillige Feuerwehr aber blieb bestehen. 1945 mussten dann Loschwitzer Feuerwehrleute mit ansehen, wie vor ihren Augen Kirche und Schule niederbrannten. Löschzug und Gerätschaften waren in der Innenstadt im Einsatz. Dort wurde soviel der Fahrzeuge und Ausrüstungen zerstört, daß die Freiwillige Feuerwehr Loschwitz nach dem Kriege ihre Arbeit beendete.

Nun übernahm die Berufsfeuerwehr auf der Schlüterstraße die Einsätze in Loschwitz, unterstützt teilweise von den Freiwilligen Feuerwehren Bühlau und Niederpoyritz. Die Remisen wurden von verschiedenen Institutionen genutzt und einige Räumlichkeiten wurden zu weiteren Wohnungen umgebaut.

Nach notwendigen Umbauarbeiten und Instandsetzungen Ende der 1940er Jahre wurde das Haus der Feuerwache zunächst als Lagerstätte eines Bauunternehmens und für Büros genutzt. Erst Ende der 1950er Jahre wurden die Räume zu Wohnzwecken umgebaut. Eigentümer des Gebäudes war die Stadt Dresden. Im Laufe der Zeit waren weitere Baumaßnahmen wie Trennwandeinzüge und Fenstererneuerungen nötig. In den 1970er Jahren wurde der Turm im Zuge von Bauarbeiten zu Wohnzwecken um 1m heruntergebrochen.

Zu dieser Zeit hieß die Fidelio-F.-Finke-Straße noch Albertallee. Erst 1978 wurde sie umbenannt nach dem Komponisten Fidelio F. Finke (1896-1968), der nach 1945 einige Jahre das Dresdner Konservatorium leitete.

Als 1991 Loschwitzer Künstler und Kunststudenten die Alte Feuerwache besetzten, fanden sie in den Remisen Gerätschaften des Zivilschutzes vor. Diese Sachen wurden ordnungsgemäß ausgelagert, Voraussetzung für die kreative Zweckentfremdung des Hauses für einen Kunst- und Kulturverein, einem Ort für Künstler und Kunstinteressierte.

Im Jahr 2000 wurde das Gebäude vollständig saniert und erstrahlte in neuem Glanz. Zwei Jahre später jedoch kam es durch die Flut zu starken Schäden, die danach wieder behoben wurden.

 

Architektur

Das Gebäude wurde 1908 von dem Architekten Prof. Schramm in der Nachfolge der Dresdner Erlwein-Bauten errichtet. Das Gebäude ist ein typischer Vertreter des sparsamen Dresdner Jugendstils und weist mit seinem ausgeprägten Mansarddach, seinen Fensterläden und den ursprünglich vorhandenen Rankgerüsten auf die Gartenstadtbewegung von Hellerau hin. Das Gebäude gliedert sich in einen Längstrakt parallel zu der Fidelio-F.-Finke-Straße, einen südöstlichen Quertrakt und in den auf der Südseite befindlichen Schlauchturm, der das Gebäude weithin sichtbar in der Elbsilhouette markiert.